Foto vom Casino Frohnau

Tischreihen für die Massen: Das Casino, erstes Café in Frohnau

Foto vom Casino Frohnau

Moderner Schriftzug am Bahnhofsplatz: Das 1911 eröffnete Café Frohnau

Foto vom Casino Frohnau

Allein im Wald: Café am Kaiserpark (heute Edelhofdamm)

Foto vom Casino Frohnau

Gestreifte Markise, damals wie heute: Das Café Herrmann, Urahne des Zeltingers

Foto vom Casino Frohnau

Opfer des Kalten Krieges: Conditorei und Café am Pilz

Foto vom Casino Frohnau

60er-Jahre-Flair im Tanzcafé Frohnau am Zeltinger Platz

Foto vom Casino Frohnau

70er-Charme vor grüner Kulisse: Frohnauer Café-Garten

Foto vom Casino Frohnau

Das jüngste Frohnauer Kaffeehaus, das Zeltinger

Ein Jahrhundert Frohnauer Kaffeehaustradition


Weitere Frohnauer Geschichten präsentiert Ihnen das Kaffeehaus Zeltinger auf dem Hörbuch «Alles im Grünen Bereich – Unerhörtes aus Frohnau».

Die Gründung Frohnaus

Im Jahr 1907 erwarb Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck das bewaldete Dünengelände, das damals zum Gutsbezirk Stolpe gehörte und mit den Grenzen des heutigen Frohnaus nahezu identisch war. Donnersmarcks Immobiliengesellschaft, die Berliner Terrain-Centrale (BTC), ließ in den Folgejahren Teile des Forsts roden und Straßen und Plätze anlegen. 1910 wurde der Bahnhof fertig gestellt. Der Name des neuen Gutsbezirks bei Berlin wurde in einem Wettbewerb ermittelt; die Wörter «froh» und «Aue» verschmolz der Gewinner zu «Frohnau». Am 7. Mai 1910 fand im Casino die Gründungszeremonie statt.

Casino & Café Frohnau

Raucher, Damen und andere Primaten: Die Geburt der Frohnauer Kaffeehauskultur

Das Casino war das erste Restaurant und Café im neu gegründeten Gutsbezirk Frohnau und eines der wenigen Gebäude des Ortes. Konkurrenz bekam die Einrichtung im Jahre 1911, als das Café Frohnau im so genannten Geschäftshaus am Bahnhofsplatz (heute Ludolfingerplatz) eröffnete. Der Inhaber, Richard Voley, lockte in einem Inserat mit einem Rauch- und Billard-Zimmer. Die angereisten Damen hatten zu beiden Räumen keinen Zutritt, ihnen war der «Damen-Salon» vorbehalten. Keinen Zutritt zum Café hatten auch die beiden Affen, die Voley im Hof des Geschäftshauses in einem Käfig hielt. Einem von beiden gelang es eines Tages dennoch, von den Torten in der Konditorei zu naschen. Ob die feine Berliner Gesellschaft das Spektakel goutierte oder eher affig fand, ist nicht überliefert.

Die Werbetrommel der BTC sorgte dafür, dass Frohnau bei der feinen Gesellschaft des nahe gelegenen Berlins schnell populär wurde. Fabrikbesitzer, Architekten, Kaufleute und andere kapitalkräftige Bürger kauften Grundstücke und Landhäuser. Sie erfüllten sich damit ihren Traum vom Leben im Grünen, unweit der Arbeit bietenden Großstadt.

Frohnau zählte 1911 gerade mal 200 Einwohner, doch schon in den ersten Jahren nach seiner Gründung wurde Frohnau zu einem beliebten Ausflugsziel. Wenige Berliner kamen mit dem Auto, manche mit der Kutsche, viele mit der Bahn. Die aus Berlin eintrudelnden Fahrgäste gaben ihre Fahrscheine dem Kontrolleur am Frohnauer Bahnhof. Daher weiß man, wie viele dem Ruf der BTC folgten.

Konditorei-Café am Kaiserpark

Schnieker Andrang aus der Hauptstadt

Die feine Berliner Gesellschaft schwärmte nach Frohnau. In den Jahren nach der Gründung kamen an manchen Wochenenden mehrere tausend Menschen, um in einem der Cafés oder Restaurants zu dinieren. Bald hieß ein weiteres Café die vielen Gäste willkommen. Am heutigen Edelhofdamm (damals Kaiserpark) eröffnete Friedrich Franz sein Konditorei-Café. Später wurde es von Kurt Herrmann übernommen.

Café Herrmann

Der Urahn des Kaffeehauses Zeltinger

1937 wurde der Cecilienplatz nach dem Winzerort Zeltingen in Zeltinger Platz umbenannt. Wahrscheinlich wollte man der Weinwirtschaft an der Mosel aus ihrer Absatzkrise helfen. An besagtem Platz nahm der Konditormeister Kurt Herrmann schon wenige Jahre nach der Gründung Frohnaus das nach ihm benannte Café in Betrieb. Im Café Herrmann traf sich die feine Berliner Gesellschaft: Es lockte frische Luft, der nahe gelegene Poloplatz und eine riesige Kuchenauswahl.

Das Café Herrmann befand sich in einem der beiden so genannten Torhäuser am Zeltinger Platz. Sie wurden bei Kampfhandlungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von russischen Truppen niedergebrannt. Schon zwei Jahre später ließ sein Besitzer die Bauten wieder errichten. Der Pavillion des Cafés war ursprünglich eine Eisdiele und wurde später zu einer Loge umfunkioniert, die noch heute existiert: Durch die vielen Fenster hindurch haben Gäste des heutigen Kaffeehauses Zeltinger einen erstrangigen Blick auf die Frohnauer Brücke.

Auch die Kaffeerösterei im Bahnhofsgebäude gehörte der Familie Herrmann. Sie musste geschlossen werden, als nach dem Mauerbau die Kundschaft schrumpfte.

Conditorei und Café am Pilz

Von der Volksgaststätte zum Mauerblümchen

Gegen den Willen der Bewohner wurde Frohnau 1920 in den Berliner Bezirk Reinickendorf eingemeindet. Wenige Jahre später eröffnete Carl Brett ein weiteres Frohnauer Café mit dem Namen «Conditorei und Café am Pilz». Benannt war es nach dem gegenüber stehenden, pilzförmigen Unterstand an der Oranienburger Chaussee, der 1910 von Carl Stahl-Urach errichtet und nach einem Brand 1977 wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Das Café lag, im Gegensatz zur Konkurrenz rund um den Frohnauer Bahnhof, etwas ab vom Schuss. Das bei vielen Berlinern beliebte Café war trotzdem mühelos zu erreichen: Vor dem Haus endete die von der Seestraße herführende Buslinie A15 (ab 1937 die Vorortlinie B).

Gute zwanzig Jahre später, Anfang 1949, hieß das Café «Volksgaststätte und Café am Pilz». Hungrige Gäste bekamen vier Jahre nach Kriegsende «Dicken Weizengrützbrei mit Schokotunke» und «Fleischklops mit pikanter Tunke». Das Getränkeangebot der Nachkriegsjahre war spärlich: Neben Brühe und Ersatzkaffee gab es lediglich Malz- und Starkbier. Der Viertelliter Starkbier kostete eins fünfzig – Ostmark, wohlgemerkt, denn diese Währung galt in den Westsektoren noch bis März 1949 für bestimmte Waren und Dienstleistungen. Doch die politischen Umstände führten dazu, dass das Geschäft erlahmte. Die DDR durfte seit 1952 nicht mehr von Frohnau aus betreten werden. Der Bezirk war seitdem von drei Seiten abgeriegelt. Das Ausflugslokal am Pilz schloss in den 60er Jahren.

Café Eichenhain

Vage Erinnerungen an einen Verschollenen

Wie ein Geist taucht das Café im äußersten Westen Frohnaus in Erzählungen von Zeitzeugen auf. Über das Café Eichenhain in der Wilsbergzeile ist kaum etwas bekannt. Es gehörte dem Pianisten Werner Neumann und schloss vermutlich in den Jahren 1952/53.

Tanzcafé Frohnau

Kaffeetanz statt Kaffeekranz: Die wilden 60er Jahre

Auch nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Berliner, um in Frohnau Kaffee zu trinken – und um zu tanzen. 1960 übernahmen Lilo und Geo Arand von Hermann Werkmeister das Café Frohnau (nicht zu verwechseln mit dem 1911 gegründeten Café Frohnau, das 1945 ausbrannte). Er betrieb das Café seit Mitte der 50er Jahre. Es stand dort, wo die Wiltinger Straße in den Zeltinger Platz mündet. Außer einem Café beherbergte das Haus die sogenannte «Werkobar», wo man unter anderem «Werko-Eis» erhielt.

Schon zu Werkmeisters Zeit war das Café ein beliebtes Tanzlokal. Mit den Arands und einem neuen Unterhaltungsprogramm wurde das Tanzcafé zu einem Publikumsmagnet. Geo Arand, selber Musiker, nutzte seine Kontakte zu Sängern und Artisten. Die Kapelle und der DJ saßen im Café, während draußen im Garten getanzt wurde.

Freitags lud man zu «Tanz bei Kerzenschein»; Samstag abends praktizierte man den «Großen Abendtanz». Die Tanzveranstaltungen dauerten bis ins Morgengrauen. Die umfangreiche Cocktailkarte lässt erahnen, dass die hier Feiernden auf der Höhe der Zeit waren. Wer sich nicht die Nacht um die Ohren schlagen wollte, kam sonntags ab 16 Uhr zum «Tanztee». Nicht alle nutzten die S-Bahn, so dass der Zeltinger Platz oft von den Autos der Tanzwütigen zugeparkt war.

1971 verkauften die Arands das Tanzcafé Frohnau. Es wurde noch eine Weile fortgeführt; heute steht an der Stelle des Cafés ein neues Gebäude.

Frohnauer Café-Garten

Ruhepol im Herzen Frohnaus

In den 70er Jahren ließ Manfred Feist den Frohnauer Café-Garten auf dem Garten- und Terrassengelände des früheren Café Herrmann bauen. Wenige Jahre später, 1981, übernahm Frau Behringer die Geschäftsführung, gefolgt von Volkmar Seefluth. 1985 warb der Café-Garten mit einer Illustration ländlicher Idylle und dem Slogan «Ihre grüne Oase mittenmang!» Der große Sommergarten bietet heute noch den Gästen des Zeltingers viel Platz in grüner Umgebung.

Kaffeehaus Zeltinger

Frohnauer Kaffeehaus mit urbanem Flair

Der Faden der Frohnauer Kaffeehausgeschichte wird seit Mai 2009 weitergesponnen. In den Räumen des früheren Café-Gartens entstand das neue Kaffeehaus, auf dessen Internetseite Sie sich jetzt befinden. Wir führen die Tradition der hiesigen Kaffeehäuser in einer Melange aus urbaner Kaffeehauskultur, Naturnähe und Lokalkolorit fort. Bei unserer Loge handelt es sich um den ehemaligen Kiosk des Café Herrmann, in dem in den 50er Jahren Eis zum Außer-Haus-Verkauf angeboten wurde. In besagter Loge können unsere Gäste Aufnahmen des alten Café Herrmann betrachten. In der kleinen Bibliothek können Interessierte der Historie Frohnaus in Büchern, auf einer Landkarte aus der Gründungszeit des Bezirks und alten Fotografien nachspüren.

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Danksagung

Wir möchten uns herzlich bei Lilo Arand bedanken. Die Besitzerin des ehemaligen Tanzcafés Frohnau kramte Erinnerungen an lange Vergangenes mit einer Leichtigkeit und Freude heraus, als ob sie das Tanzcafé bis in alle Ewigkeit beseelt hätte.

Unser Dank gilt dem Autor Klaus Pegler für seine freundliche Unterstützung. Seine Bücher sind lesenswerte und kurzweilige Zeugnisse Frohnauer Geschichte aus der Sicht eines Ur-Frohnauers.

Herzlich bedanken wir uns außerdem bei Herrn Malitzki und Herrn Bauer für die Bereitstellung des Bildmaterials.

Wie Sie Frohnauer Kaffeehausgeschichte schreiben können

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie eine der Lücken schließen oder Bildmaterial zur Verfügung stellen können, würden wir uns über Ihre Nachricht freuen. Schreiben Sie uns eine E-Mail an Info@Kaffeehaus-Zeltinger.de

Quellen

Lilo Arand
Klaus Pegler
Gartenstadt Frohnau, B+R Hildebrandt und Christiane Knop, 1985